Dauerbaustelle Hermann-Fortmann-Straße: Das historische Versagen des Beirats Vegesack

Es ist ein Trauerspiel in unendlichen Aufzügen. Wer glaubte, dass der Mai 2026 das Licht am Ende des schier endlosen Tunnels für die Hermann-Fortmann-Straße sein würde, wird einmal mehr eines Besserem belehrt: Nun wird von Anfang 2027 gesprochen. Seit Sommer 2021 ist eine der zentralen Lebensadern Vegesacks dicht. Was als Instandsetzung einer Eisenbahnbrücke begann, hat sich zu einem Denkmal organisierter Unfähigkeit ausgewachsen – und der Beirat Vegesack schaut tatenlos zu, wie ein ganzer Stadtteil im Verkehrskollaps versinkt.
Seit fünf Jahren wird den Bürgerinnen und Bürgern ein Termin nach dem anderen aufgetischt, nur um wenig später sang- und klanglos wieder kassiert zu werden. Während Anwohner unter der dauerhaften Lärm- und Abgasbelastung der Umleitungsstrecken kollabieren und Gewerbetreibende um ihre Existenz kämpfen, übt sich die lokale Politik in akuter Schockstarre.
Wo bleibt der Aufschrei des Beirats Vegesack? Wo ist der politische Druck auf die Deutsche Bahn und die Bauressorts, wenn ein trivialer Brückenneubau länger dauert als die Errichtung ganzer Stadtviertel?

Anstatt den Verantwortlichen Beine zu machen, Kompensationskonzepte für den gebeutelten Einzelhandel zu fordern oder wenigstens für eine flüssige Verkehrsführung auf den Ausweichrouten zu sorgen, verbarrikadiert sich der Beirat hinter bürokratischen Ausflüchten. Man verweist bequem auf die Deutsche Bahn als Verursacher und zieht die Schultern hoch. Diese Haltung ist kein Mandat, das ist eine Arbeitsverweigerung am eigenen Bürger.
Es reicht nicht, in Sitzungen betreten zu nicken und Verschiebungen achselzuckend zur Kenntnis zu nehmen. Die Aufgabe eines Beirats ist es, die Interessen des Stadtteils energisch zu vertreten – nicht als zahnloser Papiertiger die Ausflüchte von Großkonzernen und Senatsbehörden abzunicken. Wer derart tatenlos zusieht, wie Gewerbe und Anwohner über ein halbes Jahrzehnt blockiert werden, verliert jeglichen Anspruch darauf, von den Menschen vor Ort noch ernst genommen zu werden. Die Hermann-Fortmann-Straße ist längst mehr als eine gesperrte Fahrbahn: Sie ist das Mahnmal eines Beirats, der seine Bürger im Stich gelassen hat.