Der heilige Wächter des Dschungelpalastes: Ein Blick auf den Hulman im Zoo Hannover
Mit aufmerksamem Blick, geschmücktem hellem Fellkranz und tiefschwarzem Gesicht sitzt er da – als hätte er in den Ruinen eines alten indischen Tempels Aufstellung bezogen.
Wer durch die aufwendig gestaltete Themenwelt Dschungelpalast im Erlebnis-Zoo Hannover schlendert, begegnet ihnen auf Schritt und Tritt: den Hulmans (Semnopithecus entellus), auch bekannt als Hanuman-Languren. Das mitgebrachte Foto fängt die majestätische, fast ruhige Ausstrahlung dieses Primaten perfekt vor einer indisch inspirierten Wandmalerei ein. Doch hinter diesem ruhigen Blick steckt weit mehr als nur ein hübsches Fotomotiv.
Ein Gesicht wie aus Ruß gezeichnet: Die Legende des Hanuman
Das markanteste Merkmal des Hulmans ist ohne Zweifel der Kontrast zwischen seinem silbergrauen bis cremefarbenen Fell und dem samtig-schwarzen Gesicht sowie den dunklen Pfoten. Um diese einzigartige Färbung rankt sich eine der berühmtesten Mythen des Hinduismus:
Der Sage nach wurde Prinzessin Sita vom Dämonenkönig Ravana entführt. Der Affengott Hanuman, König der Languren, eilte mit seinen Getreuen zu ihrer Rettung. Um Sita zu befreien, schlich er sich in die Festung des Dämons, wurde jedoch entdeckt und sein Schwanz in Brand gesteckt. Hanuman nutzte das Feuer, um die Stadt des Dämons niederzubrennen und die Prinzessin zu retten. Bei dieser mutigen Tat verbrannte er sich jedoch Hände und Gesicht – eine rußgeschwärzte Spur, die seine Nachfahren voller Stolz bis heute tragen.
Aufgrund dieser Legende genießen die Tiere in ihrer Heimat Indien Narrenfreiheit. Sie gelten als heilige Wesen und besiedeln oft Tempelanlagen, weshalb sie landläufig auch als „Tempelaffen“ bezeichnet werden.
Meister der Anpassung und Akrobatik
Biologisch betrachtet gehören die Hulmans zur Unterfamilie der Schlank- und Stummelaffen. Sie zeichnen sich durch einige faszinierende Verhaltensweisen und körperliche Eigenschaften aus:
- Spezialisierte Ernährung: Als reine Pflanzenfresser besitzen sie einen mehrkammrigen Magen, ähnlich dem von Wiederkäuern. Damit können sie schwer verdauliche Blätter, Knospen und Samen effizient zersetzen.
- Erstaunliche Sprungkraft: Dank ihrer langen Hinterbeine und des extrem langen Schwanzes, der beim Klettern als Balancierstange dient, können Hulmans mühelos Distanzen von mehreren Metern von Ast zu Ast überwinden.
- Gemeinschaftliche Aufzucht: Hulman-Gruppen sind hochsozial. Werden Junge geboren, kümmern sich nicht nur die Mütter um den Nachwuchs – auch Tanten, Schwestern und ältere Geschwister übernehmen das Tragen und Behüten. Interessant dabei: Neugeborene Hulmans kommen mit hellem Rosa-Gesicht auf die Welt; erst nach einigen Monaten färbt sich die Haut dunkel.
Wichtiger Beitrag zum Artenschutz aus Hannover
Im Erlebnis-Zoo Hannover leben die Hulmans in enger Nachbarschaft mit Asiatischen Elefanten und Zwergottern. Ihre Umgebung im Dschungelpalast simuliert den verfallenen Palast eines indischen Maharadschas, der von der Natur zurückerobert wurde.
Der Zoo Hannover nimmt bei der Haltung dieser Art eine Schlüsselrolle ein: Er koordiniert das Europäische Erhaltungszuchtprogramm (EEP) für den Hulman. Dadurch wird sichergestellt, dass die Zoo-Populationen in Europa genetisch gesund und stabil bleiben – ein wichtiger Baustein für den weltweiten Artenschutz und die Umweltbildung.
Fazit
Das Foto zeigt mehr als nur einen Affen im Zoo: Es ist ein Porträt eines kulturellen Symbols, eines biologischen Kletterkünstlers und eines wichtigen Botschafters für den Erhalt der biologischen Vielfalt Asiens.