Bald ist es soweit und wir treffen zu einem Interview die Gruppe Karat hier in Bremen.Seit darauf gespannt !..........

Oktober 10, 2026

Unter dem Atlantik: Der Rogfast-Tunnel und Norwegens Meisterwerk der Ingenieurskunst

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Plans for Rogfast undersea tunnel. Illustration: Norconsult.

In Norwegen entsteht der längste Unterwassertunnel der Welt

Norwegen ist berühmt für seine dramatischen Landschaften: tief ins Land schneidende Fjorde, hoch aufragende Felsmassive und eine zerklüftete Inselwelt. Doch was Naturliebhaber begeistert, stellt die Infrastruktur und den Güterverkehr vor gewaltige Hindernisse. An der norwegischen Westküste gehören stundenlange Fahrten über Passstraßen und zeitraubende Fährüberfahrten seit jeher zum Alltag.

Um die Küstenregionen dauerhaft zu verbinden, verfolgt die norwegische Straßenbaubehörde (Statens vegvesen) ein Mammutprojekt: die schrittweise Umgestaltung der Europastraße 39 (E39) von Kristiansand im Süden bis nach Trondheim im Norden zu einer durchgehenden, fährfreien Küstenstraße.

Das Herzstück und spektakulärste Puzzleteil dieses Megaprojekts ist der Rogfast-Tunnel (Rogaland fastforbindelse).

1. Die Dimensionen des Weltrekords

Mit dem Rogfast-Tunnel baut Norwegen nicht einfach nur ein Nadelöhr ab – das Land setzt neue Maßstäbe im Verkehrswesen und Unterwasserbau:

  • Länge: Mit rund 26,7 Kilometern wird der Rogfast-Tunnel der längste Unterwasser-Straßentunnel der Welt (er löst den norwegischen Ryfast-Tunnel als bisherigen Rekordhalter ab).

  • Tiefe: An seinem tiefsten Punkt führt die Fahrbahn bis zu 392 Meter unter den Meeresspiegel. Kein anderer Straßentunnel weltweit reicht so tief unter den Meeresboden.

  • Trassenführung: Der Tunnel unterquert den Boknafjord sowie den Kvitsøyfjord nördlich der Ölmetropole Stavanger.

  • Röhrensystem: Das Bauwerk besteht aus zwei getrennten Haupttunnelröhren mit jeweils zwei Fahrspuren – eine Richtungsfahrbahn für den Verkehr gen Norden, eine gen Süden.

2. Ein Blick in die Baupläne: Architektur im Felsmassiv

Wer einen Blick auf die offiziellen Konstruktions- und Geografiepläne von Statens vegvesen wirft, erkennt schnell, dass Rogfast weit mehr ist als eine einfache Röhre von A nach B.

       Randaberg (Süden)                                    Bokn (Norden)
       [Portal Süd]                                         [Portal Nord]
            \                                                    /
             \                                                  /
              \               Insel Kvitsøy                    /
               \              [Kreisverkehr]                  /
                \                   ||                       /
                 \==================++======================/
                  \                                        /
                   \__   Tiefster Punkt (-392 m)        __/
                      \________________________________/

Das V-förmige Längsprofil

Auf den Höhenprofilen zeigt sich eine ausgeprägte V- bzw. U-Form. Von den Festland-Portalen in Randaberg (im Süden) und Bokn (im Norden) senken sich die Röhren mit einer Neigung von bis zu 5 % steil in den harten skandinavischen Gneis ab, um die tiefen Gräben des Boknafjords sicher zu unterfahren.

Die unterirdischen Kreisverkehre unter Kvitsøy

Das architektonische und ingenieurtechnische Highlight der Pläne liegt auf etwa halber Strecke unter der kleinen Inselgemeinde Kvitsøy. Rund 250 Meter unter der Erde und dem Fjordboden verzeichnen die Bauzeichnungen zwei übereinander gelagerte, doppelspurige Kreisverkehre.

  • Über ein etwa 3,7 Kilometer langes, ansteigendes Tunnel-Spiralsystem werden die Fahrzeuge von den tiefen Hauptöhren an die Oberfläche von Kvitsøy geleitet.

  • Damit erhält die bisher völlig isolierte Insel erstmals eine feste Landanbindung.

Belüftungssystem und vertikale Schächte

Ein Tunnel dieser Länge und Tiefe benötigt enorme Frischluftmengen. Die Pläne sehen massive Belüftungshallen im Felsmassiv vor. Von Kvitsøy aus wurden zwei über 200 Meter tiefe, senkrechte Schächte durch das Gestein bis nach oben zur Erdoberfläche getrieben, um Abgase abzusaugen und Frischluft in das Tunnelsystem zu pumpen.

3. Die größten ingenieurtechnischen Herausforderungen

Ein Bauwerk in fast 400 Metern Tiefe unter dem Atlantischen Ozean bringt extreme physikalische Bedingungen mit sich:

  1. Wasserdruck und Geologie:

    In fast 400 Metern Tiefe herrscht ein hydrostatischer Druck von knapp 40 bar. Das bedeutet, dass jede noch so kleine Felsspalte unter gewaltigem Druck steht. Mithilfe von Injektionen aus Spezials бетон (Grouting) wird das umgebende Gestein vor den eigentlichen Sprengungen abgedichtet und stabilisiert.

  2. Sicherheits- und Rettungskonzept:

    Sicherheit hat oberste Priorität. Alle 250 Meter verbinden Querschläge (Querstollen) die beiden Haupttunnelröhren miteinander. Im Falle eines Brandes oder Unfalls können Insassen sofort in die parallele Röhre flüchten, die im Notfall als gesicherter Rettungsweg dient.

  3. Psychologie des Fahrens:

    Fast 27 Kilometer Fahrt unter dem Meeresspiegel können bei Autofahrern Monotonie, Müdigkeit oder Anspannung auslösen. Daher planen die Ingenieure und Architekten speziell beleuchtete, aufgeweitete Hallen und visuelle Unterbrechungen entlang der Strecke ein, um die Aufmerksamkeit der Fahrer aufrechtzuerhalten.

 

4. Wirtschaftlicher Nutzen und Zukunftsausblick

Der Rogfast-Tunnel wird die regionale Geografie und Wirtschaft grundlegend verändern:

  • Zeitersparnis: Die Reisezeit zwischen den Industrie- und Handelszentren Stavanger und Bergen verkürzt sich um rund 40 Minuten. Die stark frequentierte Fährverbindung zwischen Mortavika und Arsvågen wird durch den Tunnel ersetzt.

  • Wetterunabhängigkeit: Während Fähren bei Stürmen an der rauen Nordseeküste regelmäßig den Betrieb einstellen oder verspätet sind, bietet der Tunnel eine rund um die Uhr verlässliche Verbindung.

  • Logistik: Für den Güterverkehr in Westnorwegen entfallen lange Wartezeiten an den Fährterminals, was die Transportkosten senkt und Lieferketten planbarer macht.

Fazit

Der Rogfast-Tunnel ist ein Musterbeispiel für modernen Tunnelbau und zeigt, wie fortschrittliche Ingenieurskunst geografische Barrieren überwinden kann. Mit seinen komplexen unterirdischen Bauwerken, verflochtenen Kreisverkehren tief im Fels und Rekordmaßen unter dem Meeresgrund gehört das Projekt zu den faszinierendsten Infrastrukturvorhaben unserer Zeit.

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