Mehr Beschwerden, gewachsene Bekanntheit und Vertrauen als Schwerpunkt: Polizeibeauftragte übergibt 2. Tätigkeitsbericht
Foto zur Veröffentlichung: Die unabhängige Polizeibeauftragte, Sermin Riedel, übergibt ihren 2. Tätigkeitsbericht an Bürgerschaftspräsidentin Antje Grotheer. Quelle: Bremische Bürgerschaft

Die unabhängige Polizeibeauftragte der Freien Hansestadt Bremen, Sermin Riedel , hat heute (6. Oktober 2026) ihren 2. Tätigkeitsbericht an die Bremische Bürgerschaft übergeben. Im Gespräch mit Parlamentspräsidentin Antje Grotheer berichtete sie über die Weiterentwicklung der Dienststelle, die Erfahrungen aus dem zweiten Berichtszeitraum und die Herausforderungen für die weitere Arbeit.
„Seit dem Aufbau der Dienststelle im Jahr 2022 hat sie sich als unabhängige Ansprech-, Prüf- und Vermittlungsstelle zunehmend etabliert“, zieht Sermin Riedel eine positive Bilanz. Dies zeige sich auch an der deutlich gestiegenen Zahl der Anliegen. Immer mehr Bürger:innen wendeten sich an die Polizeibeauftragte, wenn sie negative oder diskriminierende Erfahrungen im Kontakt mit der Polizei in Bremen und Bremerhaven gemacht hätten. Auch Polizeibeschäftigte nutzten die Möglichkeit, sich mit ihren Anliegen an die unabhängige Stelle zu wenden.
„Unsere Arbeit beginnt dort, wo Menschen das Bedürfnis haben, gehört und ernst genommen zu werden. Gerade wenn das Vertrauen in polizeiliches Handeln durch eine konkrete Erfahrung beeinträchtigt worden ist, kann ein unabhängiger Blick von außen helfen, Zusammenhänge zu verstehen und unterschiedliche Perspektiven zusammenzuführen“, sagt Riedel. „Dabei geht es uns nicht darum, vorschnell zu bewerten, sondern darum, im Dialog mit den Beteiligten nachzuvollziehen, was passiert ist, offene Fragen zu klären und dort, wo es sinnvoll ist, Veränderungen anzustoßen.
Vertrauen als Schwerpunkt des 2. Berichts
Ein besonderer Schwerpunkt des 2. Tätigkeitsberichts liegt auf dem Thema Vertrauen – sowohl auf dem Vertrauen der Menschen in die Polizei als auch auf dem Vertrauen der Polizeibeschäftigten in ihre Organisation. Vertrauen, Transparenz und ein respektvoller Umgang ziehen sich als wiederkehrende Themen durch die unterschiedlichen Kapitel und Fragestellungen des Berichts.
„Die Erfahrungen aus unseren Prüfverfahren zeigen, wie wichtig ein respektvoller und vertrauensvoller Dialog zwischen Polizei und Bevölkerung, aber auch innerhalb der Polizei ist“, so Riedel. „Nicht selten steht dabei weniger das Ergebnis einer polizeilichen Maßnahme im Mittelpunkt als die Art und Weise, wie sie zustande gekommen ist. Transparente Kommunikation, nachvollziehbare Entscheidungen und ein fairer Umgang können wesentlich dazu beitragen, Vertrauen zu erhalten oder wiederherzustellen.“
Zugleich zeigten die bearbeiteten Fälle die Professionalität, das Verantwortungsbewusstsein und das Engagement vieler Polizeibeschäftigter in Bremen und Bremerhaven. Die unabhängige Prüfung von Beschwerden solle deshalb nicht nur mögliche Defizite sichtbar machen, sondern auch dazu beitragen, gute Praxis zu erkennen, zu stärken und weiterzuentwickeln.
Nahezu Verdoppelung der Anliegen von Bürger:innen
Die Anliegen der Bürger:innen waren erneut vielfältig und reichten unter anderem vom Umgang der Polizei mit Jugendlichen über polizeiliche Maßnahmen und Kontrollen bis hin zu Fragen der Kommunikation und des respektvollen Umgangs. Während im ersten Berichtszeitraum 89 Beschwerden zur weiteren Bearbeitung aufgenommen wurden, gingen im zweiten Berichtszeitraum 154 Anliegen in eigene Prüfsachverhalte bei der Polizeibeauftragten über. Die zunehmende Inanspruchnahme der unabhängigen Stelle macht dabei zugleich sichtbar, dass Bürger:innen ihre Erfahrungen zunehmend an die Polizeibeauftragte herantragen und auf eine unabhängige Prüfung ihrer Anliegen vertrauen.
„Der deutliche Anstieg der Beschwerden und Eingaben ist dabei nicht als Ausdruck eines zunehmenden Fehlverhaltens der Polizei zu verstehen“, betont Riedel. Vielmehr zeige die Entwicklung, dass die Einrichtung der Polizeibeauftragten zunehmend bekannt sei und Bürger:innen wie auch Polizeibeschäftigte die Möglichkeit einer unabhängigen Prüfung ihrer Anliegen stärker in Anspruch nähmen. Die gestiegene Inanspruchnahme könne damit auch als Ausdruck des gewachsenen Vertrauens in die Unabhängigkeit, Erreichbarkeit und Arbeitsweise der Dienststelle verstanden werden.
„Mit der wachsenden Zahl und Vielfalt der Verfahren erweitert sich zugleich die Grundlage für die Betrachtung struktureller Fragestellungen“, erklärt Riedel.„Wiederkehrende Sachverhaltskonstellationen, rechtliche Fragen und organisatorische Herausforderungen können zunehmend systematisch erfasst und ausgewertet werden. Dadurch entstehen bessere Möglichkeiten, Entwicklungen frühzeitig zu erkennen und ihre Ursachen näher zu betrachten. Die daraus gewonnenen Erkenntnisse können an die zuständigen Stellen weitergegeben und für die Weiterentwicklung der polizeilichen Praxis genutzt werden. Die Arbeit meiner Dienststelle trägt damit zunehmend nicht nur zur Klärung einzelner Anliegen bei, sondern kann auch Impulse für Qualitätsentwicklung, Fehlerprävention und die Stärkung des Vertrauens zwischen Polizei und Bevölkerung geben.“
Unabhängige Anlaufstelle auch für Polizeibeschäftigte
Ein weiterer Schwerpunkt der Arbeit lag im Berichtszeitraum auf dem Ausbau und der Festigung der Kontakte innerhalb der Polizei. „Ich bin unabhängige Ansprechpartnerin für alle Beschäftigten der Polizei in Bremen und Bremerhaven. Um diese Aufgabe erfüllen zu können, galt es, weiterhin Vertrauen zu schaffen. Das bedeutet Präsenz, aber auch Transparenz darüber, wie meine Arbeit funktioniert und welche Möglichkeiten ich habe“, sagt Riedel.
Bekanntheit weiter erhöhen
Für die kommenden Jahre sieht Riedel weiterhin als wichtige Aufgabe, den Bekanntheitsgrad der Polizeibeauftragten weiter zu steigern „Nur wer uns kennt, kann sich an uns wenden“, betont sie erneut.