Skandal um 900.000-Euro-„Kreativraum“: Wie es beim Jobcenter Bremen derzeit weitergeht
Screenshot : Google Maps

Nach der Enthüllung über maßlose Kostenüberschreitungen beim Umbau eines Besprechungsraums steht das Jobcenter Bremen unter intensiver Prüfung. Neben harten personellen Konsequenzen laufen derzeit umfassende Ermittlungen und organisatorische Aufarbeitungsprozesse, um die Vergabepraxis und die interne Finanzkontrolle neu aufzustellen.
Die Fakten und Zahlen im Überblick
| Bereich | Eckdaten / Beträge |
| Ursprünglich genehmigtes Budget | Max. 99.000 Euro |
| Erste öffentlich genannte Zahl | Ca. 600.000 Euro |
| Tatsächliche Gesamtkosten „Kreativraum“ | Rund 906.000 Euro (auf 98 m²) |
| Weiterer betroffener Raum | Ca. 293.000 Euro (Frauenförderprojekt) |
| Direkte Personalentscheidung | Abberufung des Geschäftsführers Thorsten Spinn |
Was geschieht aktuell? Die laufenden Maßnahmen
1. Sonderprüfungen & Rechnungsprüfung
Die Trägerversammlung (bestehend aus Vertretern der Agentur für Arbeit sowie dem Bremer Arbeits- und Finanzressort) hat interne Untersuchungen eingeleitet. Im Fokus stehen drei Kernfragen:
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Vergaberecht: Wurden die Aufträge für Designermöbel und Handwerkerleistungen ordnungsgemäß ausgeschrieben oder stückweise vergeben, um Schwellenwerte zu umgehen?
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Genehmigungskette: Warum wurden die Budgetüberschreitungen über Monate hinweg weder an die Trägerversammlung noch an den Senat gemeldet?
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Rechtliche Regressprüfungen: Es wird geprüft, ob Dienstpflichtverletzungen vorliegen und inwiefern finanzielle Regressansprüche geltend gemacht werden können.
2. Personeller Umbruch und Interimsleitung
Nach der sofortigen Abberufung von Geschäftsführer Thorsten Spinn durch die Trägerversammlung und Senatorin Claudia Schilling wurde die Führungsebene neu geordnet. Eine Interimsleitung steuert die Behörde, während die Nachfolge transparent neu ausgeschrieben und besetzt werden muss.
3. Verschärfung der Kontroll- und Freigabemechanismen
Um ähnliche Fälle künftig auszuschließen, wird das Controlling der Behörde neu strukturiert:
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Transparenzpflichten: Bei Investitionen oberhalb definierter Schwellenwerte greift künftig eine Berichtspflicht gegenüber der Trägerversammlung.
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Budget-Monitoring: Bau- und Ausstattungsvorhaben in angemieteten Immobilien unterliegen künftig einer strengeren Überwachung durch die Finanzbehörden des Landes Bremen.
4. Nutzung des Raumes
Der „Kreativraum“ selbst bleibt trotz der Debatte bestehen – ein Rückbau würde zusätzliche Kosten verursachen, ohne das investierte Geld zurückzuholen. Die Behörde steht nun vor dem Erklärungsdruck, wie das Objekt im täglichen Arbeitsbetrieb sinnvoll und ohne weiteren Reputationsschaden genutzt werden kann.
Der politische Nachhall in Bremen
Der Vorgang trifft das Land Bremen an einer empfindlichen Stelle: Das Jobcenter verzeichnet hohe Fallzahlen bei Bürgergeld-Empfängern, während soziale Projekte und Eingliederungsmittel im Landeshaushalt unter spürbarem Kürzungsdruck stehen. Die Opposition in der Bürgerschaft fordert weiterhin lückenlose Aufklärung darüber, warum das Controlling der Aufsichtsbehörden über einen so langen Zeitraum versagen konnte.