Bald ist es soweit und wir treffen zu einem Interview die Gruppe Karat hier in Bremen.Seit darauf gespannt !..........

Oktober 7, 2026

Das Desaster an der Hermann-Fortmann-Straße: Ein bundesdeutsches Lehrstück über Planungsversagen, Bürokratie und Kostenexplosion

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Screenshot: Google Maps

Seit Mai 2021 gleicht die Hermann-Fortmann-Straße in Bremen-Vegesack einem verkehrspolitischen Trümmerfeld. Was ursprünglich als zügiger Ersatzneubau einer Eisenbahnüberführung gedacht war, hat sich zu einem schier endlosen Infrastruktur-Trauerspiel entwickelt. Aus den anfänglich kalkulierten Fristen wurden Jahre des Stillstands, und die Freigabe der wichtigen Verkehrsader wurde inzwischen schrittweise bis ins Jahr 2027 verschoben – mehr als ein halbes Jahrzehnt Vollsperrung für ein einziges Nadelöhr.

Ein unrühmliches Zusammenspiel der Bauträger

Anstatt Hand in Hand zu arbeiten, offenbart das Projekt das fundamentale Versagen bei Vorbereitung, Koordinierung und Projektmanagement der beteiligten Akteure.
  • Grober Ausführungsfehler bei der Deutschen Bahn (DB InfraGO): Dass man erst während der laufenden Erdarbeiten feststellte, wie instabil und schlammig der Baugrund unter den Gleisen tatsächlich ist, grenzt an eine erhebliche Vernachlässigung gründlicher Baugrundgutachten im Vorfeld. Die quälend langsame Reaktion darauf erforderte erst nachträglich Tausende Meter Spezialbohrpfähle, was den Zeitplan um Jahre aus den Angeln hob.
  • Behörden-Schneckentempo: Weder das Amt für Straßen und Verkehr (ASV) noch die beteiligten Leitungsbetreiber wie hanseWasser vermochten es, dem Bauchaos mit einem energischen Krisenmanagement entgegenzuwirken. Schnittstellenprobleme, verschobene Sperrpausen und mangelhafte Abstimmung führten dazu, dass sich Gewerke gegenseitig blockierten.

Steuerzahler und Anwohner zahlen die Zeche

Mit jedem zusätzlichen Monat, den Baukräne ungenutzt stehen, Ausweichrouten überlastet werden und Hilfsbrücken angemietet werden müssen, verbrennt die Großbaustelle Unmengen an Geld. Das geschätzte Gesamtvolumen aller Maßnahmen ist auf eine Summe von über 11 bis 12 Millionen Euro angewachsen.
In Relation zur Länge des betroffenen Straßenabschnitts und der Bauwerkgröße stehen diese Kosten in keinem gesunden Verhältnis mehr:
  • Millionengrab Eisenbahnbrücke: Allein die Bahnbrücke verschlingt inklusive der teuren Nachbesserungen geschätzte 8,4 Millionen Euro.
  • Leitungs- und Straßenbau: Weitere 3 bis 4 Millionen Euro schlagen für die langwierigen Kollateralarbeiten der Versorger und der Stadt zu Buche.
Während auf der Baustelle ausgebildete Tiefbau-Facharbeiter nach geltendem Bau-Tarifvertrag ihr Geld verdienen (in Lohngruppe 4 ca. 225.000 bis 242.000 Euro Brutto in fünf Jahren), tragen die Zeche für die astronomischen Nebenkosten, Verzögerungen und Fehlplanungen die Steuerzahler sowie die Anwohner und Gewerbetreibenden vor Ort.

Was kostet das Projekt – und was verdienen die Fachkräfte?

Die finanziellen Dimensionen der Baustelle haben sich im Laufe der Jahre stark summiert. Das Gesamtvolumen aller beteiligten Gewerke beläuft sich auf rund 11,5 bis 12,5 Millionen Euro:

  • Eisenbahnüberführung (DB InfraGO): ca. 8,4 Millionen Euro.

  • Leitungsumverlegungen (hanseWasser & Partner): ca. 1,8 bis 2,2 Millionen Euro.

  • Straßenbau & Freigabe (Stadt Bremen/ASV): ca. 1,2 bis 1,5 Millionen Euro.

Auf der Baustelle selbst arbeiten vorrangig spezialisierte Tiefbauer, Straßenbauer und Maschinisten. Auf Basis des Bundesrahmentarifvertrags für das Bauhauptgewerbe (Region West) verdiente eine Fachkraft in den letzten fünf Jahren (inklusive aller Schlichtungs- und Tarifanpassungen) je nach Qualifikation brutto:

  • Lohngruppe 2 (Helfer/Bauwerker): ca. 180.000 € bis 195.000 €

  • Lohngruppe 4 (Facharbeiter/Geselle): ca. 225.000 € bis 242.000 €

  • Lohngruppe 5 (Vorarbeiter/Geräteführer): ca. 245.000 € bis 265.000 €

Wut im Beirat Vegesack: „Keine Ausreden mehr!“

Auch die lokale Politik fordert Konsequenzen. Der Beirat Vegesack hat sich in deutlichen Stellungnahmen vor die Bürgerinnen und Bürger gestellt und kein gutes Haar an den Verantwortlichen gelassen:
  • Vernichtendes Urteil: Die fortlaufenden Terminverschiebungen bezeichneten Beiratsmitglieder öffentlich als „haarsträubend und nicht mehr nachvollziehbar“.
  • Gefährdung des Stadtteils: Die Schließung dieser zentralen Lebensader füge dem Wirtschafts- und Wohnstandort Vegesack massiven Schaden zu.
  • Forderung nach Teilfreigaben: Der Beirat fordert nachdrücklich, dass zumindest der Fuß- und Radweg unverzüglich und verlässlich freigegeben werden müsse. Weitere Ausreden der Bauträger werde man schlicht nicht mehr akzeptieren.
  • Misstrauen gegenüber Verheißungen: Nach jahrelangen Hiobsbotschaften begegnet die Lokalpolitik neuen Ankündigungen mit massivem Misstrauen. Dass selbst der Termin 2027 durch etwaige Wintereinbrüche erneut wackeln könnte, zeigt das völlige Zerwürfnis zwischen den Bürgern vor Ort und den Bauträgern.
Fazit: Die Baustelle an der Hermann-Fortmann-Straße ist längst kein Symbol mehr für modernisierte Infrastruktur, sondern ein mahnendes Schulbeispiel für Misswirtschaft, mangelhafte Voruntersuchung und behördliches Versagen auf dem Rücken der Bürger.

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