Bald ist es soweit und wir treffen zu einem Interview die Gruppe Karat hier in Bremen.Seit darauf gespannt !..........

Oktober 18, 2026

Kontrollen und Chaos auf dem Bremer Freimarkt: Ein Abend mit dem Sicherheitsdienst im Bayernzelt

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a large group of people sitting under a tent
Symbolfoto

„Runter!“, ruft Kristin Balster mit Nachdruck. Doch im dichten Stimmengewirr und der lebhaften Musik geht ihre Stimme fast unter. Kräftig rüttelt sie an dem Tisch, auf dem mehrere junge Menschen tanzen, und fordert sie mit strengem Blick und energischen Handbewegungen auf, den Tisch zu verlassen. Erst blicken die Jugendlichen irritiert, dann entdecken sie ihre blaue Weste, das Headset am Ohr und das Funkgerät an der Seite.

Mit einem leichten, etwas beschämten Lächeln klettern sie schließlich schwankend herunter. Das Tanzen auf den Tischen ist verboten – die Sturz- und Verletzungsgefahr ist einfach zu hoch. „Aber die tanzen eben immer auf den Tischen“, sagt die 31-Jährige und behält die Lage fest im Blick.

Am Freitag hat der 991. Bremer Freimarkt auf der Bürgerweide begonnen. Nun wird in der Bayernfesthalle getanzt, getrunken und ausgelassen gefeiert. In den kommenden 17 Tagen sorgt Balster hier gemeinsam mit 27 Kolleginnen und Kollegen vom Qualitäts-Wach- und Sicherheitsdienst (QWS) für die Sicherheit der Besucher.

Von diesem späteren Trubel ist am Nachmittag noch nichts zu spüren. Noch wirkt das Zelt fast leer; lediglich ein paar Kellner in Lederhosen und karierten Hemden eilen zwischen den Tischen umher und rufen sich letzte Anweisungen zu. Hinter dem Ausschank werden Gläser poliert, und an der Garderobe besprechen sich die „Garderobenmädels“, wie Kristin Balster die Mitarbeitenden dort nennt. Balster selbst steht im Eingangsbereich, wo sie den Hauptteil ihrer Schicht verbringen wird. Hier hat jeder – je nach Qualifikation – seinen festen Platz.

Balster übernimmt die Kontrolle an einem der beiden Eingänge. Als Frau habe sie hier den Vorteil, weniger angegangen zu werden, und laut ihrem Chef Sebastian Reichmann besitzen Frauen eine deeskalierende Wirkung. Genau das wird gebraucht, wenn Konflikte drohen. „Ich kontrolliere Ausweise, schaue nach, was die Personen dabeihaben und wie sie sich mir gegenüber verhalten“, erklärt sie. Kommt ihr jemand suspekt vor, bleibt die Person draußen. „Dafür braucht es gute Menschenkenntnisse. Da bekommt man irgendwann einen Blick für.“

Diesen Blick hat Balster längst entwickelt. Seit rund zehn Jahren arbeitet die junge Frau aus Stuhr in der Branche. „Ich habe damals eigentlich nur einen Nebenjob gesucht und als Sicherheitskraft im Weserstadion angefangen. Da habe ich Mary kennengelernt.“ Mary-Ellen Reichmann ist gemeinsam mit ihrem Mann Sebastian Inhaberin von QWS und hat vor einigen Jahren den Sicherheitsdienst im Bayernzelt übernommen.

Nach und nach treffen die ersten Gäste ein. Balster wirft einen Blick in die Tasche einer jungen Frau und zieht ein Haarparfüm heraus. Während die Besucherin die Festhalle betritt, landet die rosafarbene Flasche im Müll: „Das ist brennbar“, sagt Balster. Kurz darauf landen auch Desinfektionsspray und Deodosen im Mülleimer – ganz normaler Alltag. Manche Besucher haben jedoch auch untypischere Dinge dabei. „Sexspielzeug, zum Beispiel“, verrät Balster.

Ein paar Stunden später hat sich vor dem Eingang eine lange Schlange gebildet, und auch in der Halle hat sich das Bild komplett gewandelt: Auf den Tischen stehen Bierfässer, überall sitzen und stehen Menschen in Dirndl und Lederhosen. „Habt ihr alle noch genug zu trinken?“, ruft DJ Toddy von der Bühne ins Mikrofon. Kurz darauf läuft das Lied „Ab in den Süden“, und die Menge singt und tanzt ausgelassen.

Mitten durch das Gedränge läuft Dennis Bischoff Streife. Auch er ist Mitarbeiter bei QWS. „Ich schaue nach Rauchern, Leuten, denen es nicht gut geht, oder Personen, die für Unruhe sorgen.“ Als er sich ein paar biertrinkende Partygänger genauer ansieht, spricht ihn einer von ihnen an – durch den Lärmpegel ist kaum ein Wort zu verstehen. „Er meinte, die Bank ist kaputt“, berichtet Bischoff später. „Ich habe ihm gesagt, dass ich gerade auch keine in der Tasche habe.“ Dann geht es für ihn weiter.

Immer wieder ermahnt er Gäste, nicht zu rauchen. Die reagieren meist betreten und stecken Zigarette oder Vape weg. In der Nähe des Eingangs tanzt allerdings eine Frau auf einer Bank, zieht immer wieder an ihrer Vape und zeigt sich von Bischoffs Ermahnungen unbeeindruckt. Kaum dreht er sich um, raucht sie weiter. Sie ist ihm an diesem Abend bereits mehrfach aufgefallen, erzählt er.

Der 36-Jährige arbeitet seit vielen Jahren im Sicherheitsdienst, ist jedoch zum ersten Mal in Bremen im Einsatz. Er wohnt in der Nähe von Köln und ist extra für die 17 Tage Freimarkt angereist.

Mittlerweile tanzen in der Halle fast alle auf den Bänken. Das Holz wackelt bedenklich, Bierkrüge werden in die Luft gehoben, und irgendwo bahnt sich das „Feigling-Mobil“ seinen Weg durch die Menge. Bei seiner Runde macht Bischoff kurz bei einem Kollegen Halt, der vor dem Reservierungsbereich postiert ist. Dort haben nur bestimmte Gäste mit entsprechendem Bändchen am Arm Zutritt.

Ein Mann im weißen T-Shirt – ohne Bändchen – möchte trotzdem durch und beginnt zu diskutieren. Der Sicherheitsmitarbeiter bleibt völlig unbeeindruckt und schaut stur an ihm vorbei. „Man muss relativ schnell klar machen, dass es so nicht geht“, sagt Bischoff und setzt seine Tour fort, als der Mann schließlich aufgibt.

Gegen 21 Uhr machen sich langsam die Betrunkenen bemerkbar. Plötzlich wird Bischoff über Funk kontaktiert: Er soll zum Eingang kommen, wo Balster steht. Innerhalb weniger Sekunden ist er an der Tür, springt hinaus und stürmt auf eine Gruppe in der Schlange zu. So schnell die Situation eskaliert ist, so schnell ist sie auch wieder vorbei. „Vier Typen wollten rein, die nicht rein sollten“, erklärt er. „Gegen 21 Uhr kommen langsam die Betrunkenen.“

Nach dieser Aufregung folgt eine kurze Pause. Als Bischoff gegen 22 Uhr zur Bayernfesthalle zurückkehrt, stehen dort mehrere Polizisten und wickeln eine Person in eine Rettungsdecke. Auf Nachfrage erfährt er, dass der Verdacht besteht, es könnten K.-o.-Tropfen in Getränke gemischt worden sein. Die Sanitäter sind gerade dabei, dies zu überprüfen.

Kurz vor Ende der Party kippt die Stimmung spürbar. Wo zuvor noch ausgelassene Partystimmung herrschte, wird es zunehmend chaotisch. Menschen, die eben noch auf Bänken tanzten, stürzen herab; an anderen Stellen gibt das Holz unter dem Gewicht der Gäste nach. Auf dem Boden vor der Bühne hat sich eine riesige Pfütze gebildet – Bier, hofft Bischoff zumindest.

Leere Schnapsflaschen türmen sich auf den Tischen, und von der Decke tropft Schweiß. Freunde, die eben noch miteinander tanzten, rempeln sich jetzt eher an. Bischoff muss nun deutlich konsequenter durchgreifen. Ein junger Mann, der den Kollegen schon mehrfach negativ aufgefallen ist, wird am Arm gepackt und vor die Tür geschoben, weil er mit Eiswürfeln um sich geworfen hat. „Das sind Dinge, die man im normalen Zustand nicht macht.“

Da es am Eingang inzwischen ruhiger geworden ist, gehen Balster und Bischoff gemeinsam auf Streife. Immer wieder müssen Gäste von den Tischen geholt werden. Paare küssen sich wild, ein Gast erzählt aufgeregt, er sei eine Treppe heruntergefallen, und läuft dann munter weiter, während Sicherheitsmitarbeiter eine kaputte Bank durch die Menge tragen.

Die Dame, die weiterhin an ihrer Vape zieht, wird nun von Bischoff nach draußen befördert. Der Eiswürfelwerfer hat es zwischenzeitlich erneut ins Zelt geschafft, nur um jetzt ein zweites Mal hinausgeschoben zu werden. „Das normale Elf-Uhr-Chaos“, kommentiert Balster.

Gegen Mitternacht ist die Party vorbei. Die Kellner beginnen umgehend, Gläser abzuräumen, und DJ Toddy stimmt den letzten Song an. „Kommt ihr morgen wieder?“, fragt er. „Ja!“, antwortet die Menge und reißt ein letztes Mal die Bierkrüge in die Luft.

„Ein ruhiger Abend“, fasst Balster zusammen, während die Besucher die Halle lallend verlassen. Bischoff stimmt zu: „Die Bremer sind ruhig, was das Feiern angeht. Aber es kommen ja noch 14 weitere Tage.“

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